22.03.2014 Gewaltprävention und Selbstbehauptung für Grundschüler – ein wichtiges Thema

Selbstbehauptungsworkshops

Kinder lernen sich zu behaupten
Kinder und Eltern haben viel dazu gelernt
Starke Kinder können sich wehren
Selbstbehauptungsworkshop für Grundschüler war sehr gut besucht
Kinder lernen „Stopp!" zu sagen

Er ist neben den Lesenächten der Renner im Jahresprogramm des Fördervereins der Grundschule Gottenheim: Der Workshop zur Gewaltprävention und Selbstbehauptung. Das Angebot wird schon seit einigen Jahren immer im Frühjahr für die Grundschüler aus Gottenheim veranstaltet – und es ist immer ausgebucht. In diesem Jahr fanden die Workshops am Samstag, 22. März, in der Turnhalle der Schule statt. Wieder gab es einen Grundkurs und einen Aufbaukurs, die beide voll belegt waren.
2014.03.22-SB-Kurs-01 2014.03.22-SB-Kurs-03

„Wir haben schon befürchtet, dass wir Kinder abweisen müssen", so die erste Vorsitzende des Fördervereins, Stephanie Hagemann, die aber mit Kursleiter Jochen Wiesler eine gute Lösung fand. Wiesler brachte eine zweite Trainerin mit, das zusätzliche Honorar wurde vom Förderverein übernommen, der den Kurs vor Jahren initiiert hat, ihn organisiert und bezuschusst. Gefördert wird das Angebot auch aus dem Topf des Jugendclubs Gottenheim, der sich an der Finanzierung beteiligt. „Nur so kann die Kursgebühr gering gehalten werden und das Angebot ist für alle Kinder der Schule erschwinglich", freut sich Stephanie Hagemann.

Denn die Einübung von Selbstvertrauen und Mut, gerade in bedrohlichen Situationen, ist für die Jungen und Mädchen, die mit dem Eintritt in die Schule mobiler werden, besonders wichtig. Und der Kurs macht so viel Spaß, dass viele Kinder mit Begeisterung vier Mal daran teilnehmen, in jeder Grundschulklasse einmal. Das ist ganz im Sinne des Trainers Jochen Wiesler. Er betont: „Einmal im Jahr ist eigentlich zu wenig. Die Kinder sollten immer wieder im Selbstbewusstsein geschult werden, damit sie bedrohliche Situationen im Alltag gut bewältigen können."

Jochen Wiesler vermittelt in seinen Workshops Selbstvertrauen, das die Kinder auf dem Weg zur Schule und im Schulalltag dringend brauchen. Ergänzend zeigt der erfahrene Trainer den Kindern auch schützende und sinnvolle Reaktionsmöglichkeiten, die sie in bedrohlichen Situationen anwenden können. Es sind Alltagssituationen, die der Trainer mit den Kindern durchspielt – denn allzu schnell werden aus belanglosen Szenen auf dem Schulhof, auf dem Sportplatz oder in der Clique gefährliche Momente. Diese zu spüren und angemessen darauf zu reagieren – das lernen die Grundschüler bei Jochen Wiesler der mit seiner Initiative ‚pro kind' (www.pro-kind.com) das Selbstbewusstsein der Kinder stärken will.
2014.03.22-SB-Kurs-02
In seinen Workshops, die auch an anderen Schulen regelmäßig stattfinden, gibt er den Kindern viele wertvolle Hinweise. „Wie verhalte ich mich, wenn ein Fremder mich anspricht?" war zum Beispiel ein konkretes Thema des Vormittagskurses für die erste und die zweite Klasse. „Dabei kommt es besonders darauf an, den eigenen Gefühlen zu vertrauen und die Situation richtig einschätzen zu lernen", erklärt Jochen Wiesler. Den Kindern vermittelt er das anhand von Rollenspielen und Übungen, aber auch im Gespräch.

Im Nachmittagskurs für die älteren Schülerinnen und Schüler erläuterte der Trainer vor allem auch das Verhalten in Gefahrensituationen. Übungen zum Schutz vor körperlichen Attacken standen ebenfalls auf der Tagesordnung. Die Kinder wurden aktiv einbezogen: Sie lernten Fremden gegenüber einen „Sicherheitsabstand" einzuhalten, der verhindert, dass ein Angreifer das Kind ergreifen kann. Doch was ist „ein Fremder"? Auch diese Frage diskutierte Wiesler mit den Jungen und Mädchen. „Verlasst euch auf euer Gefühl. Ihr könnt selbst entscheiden, wann ein Kontakt angenehm ist und wann die Grenze zur Belästigung überschritten wird", bestärkte der Trainer die Kinder bei der Wahrnehmung ihrer eigenen Gefühle. Auch ihre eigene Kraft einzuschätzen, lernten die Schülerinnen und Schüler. Ein eher kleines Mädchen kann Jochen Wiesler problemlos mit sich ziehen – hier ist der Sicherheitsabstand besonders wichtig. Ein kräftiger Junge dagegen kann mit seiner eigenen Kraft schon viel bewirken und verhindern, dass er gegen seinen Willen weggezogen wird.

„Mit den größeren Jungen und Mädchen übe ich auch Möglichkeiten, sich körperlich zu wehren. In diesem Alter haben die Kinder schon ausreichend Kraft, um sich erfolgreich gegen einen Angreifer zur Wehr zu setzen", erklärt Jochen Wiesler dazu. Auch die Gefahren sind nun vielschichtiger. In diesem Alter sind die Schüler zunehmend alleine unterwegs. Insbesondere bei den Jungen und Mädchen der 4. Klasse steht der Wechsel zur weiterführenden Schule an – mit neuen Schulwegen und Problemen im Schulalltag auf einer größeren Schule.

„Stark sein bedeutet, gelassen zu bleiben, anderen zu helfen, Auseinandersetzungen mit Worten zu lösen", so Jochen Wiesler. Er halte nichts davon, schon Erstklässler mit Selbstverteidigungstechniken vertraut zu machen. Mehr Sinn mache es, den Kindern das Bewusstsein zu vermitteln, was mit ihnen geschehe und den Jungen und Mädchen zu zeigen, wie sie sich durch bestimmtes und selbstbewusstes Verhalten schützen könnten. Die Kinder lernen bei Jochen Wiesler bedrohliche Situationen einzuschätzen und mit Bestimmtheit oder Flucht darauf zu reagieren. Die Kinder bekommen durch den Workshop ein Gefühl dafür, was Gewalt bedeutet und wo sie anfängt – und sie lernen „stopp" zu sagen. „Was sagt ihr, wenn ihr euch von einem Fremden belästigt fühlt?", fragt der Trainer zum Beispiel. „Lassen Sie mich in Ruhe", rufen die Kinder durcheinander. Wie sagt ihr das?" fragt Wiesler weiter. „Laut und deutlich", so die Antwort. „Ganz wichtig ist das Wort Sie", erklärt der Trainer den Eltern, die am Ende des Kurses dazukommen können. Die höfliche Anrede signalisiere Außenstehenden, dass das Kind den Mann oder die Frau nicht kennt. Den Eltern erklärt Wiesler auch, wie wichtig es ist, mit den Kindern genau zu klären, zu wem sie ins Auto steigen dürfen und wo sie im Notfall Zuflucht finden können – in der Bäckerei, beim Metzger oder bei einem Freund zu Hause. „Keine Angst machen, aber dennoch die Gefahren deutlich ansprechen" – so das Konzept, das Jochen Wiesler bei seinen Workshops in Schulen verfolgt. „Die Menschen sind grundsätzlich gut, aber es gibt doch einen Bösen darunter", ordnet der Trainer die Gefahrenpotentiale im Alltag der Kinder ein. Den Eltern berichtet Jochen Wiesler am Ende der Workshops über zentralen Inhalte seines Angebots, für die Kinder gibt es eine Teilnehmerurkunde, die stolz mit nach Hause genommen wird.

Weitere Informationen zu den Aktivitäten des Fördervereins der Schule Gottenheim finden Interessierte unter www.eidechse-gottenheim.de. Die Angebote und Termine des Karate-Teams Wiesler sind zu finden unter www.karate-team-wiesler.de. Weitere Informationen zum Thema gibt es auch unter www.pro-kind.com.